In diesem Garten fühlt sich der Igel wohl

Doch viele moderne Gärten bieten dem Igel keine guten Lebensgrundlagen: Ordentlicher Kies, pflegeleichte Koniferen und das Fehlen von dicht bepflanzten Blumenbeeten führen dazu, dass der Igel im Garten weder genug zu fressen noch Unterschlupfmöglichkeiten findet. Man kann seinen garten jedoch auch igelfreundlich gestalten.

Ein igelfreundlicher Garten

Igel sind für unseren Garten sehr nützlich: Sie fressen Insekten, vor allem die von den Gärtnern so ungeliebten Nacktschnecken, aber auch andere Schneckenarten, Spinnen und Käfer. Um einen Igel in den Garten zu locken, muss genug Nahrung vorhanden sein.

Der Einsatz von Insektiziden und Unkrautvernichtungsmitteln ist also tabu! Vielmehr können wir uns da auf unseren stacheligen Freund verlassen, er braucht über das Jahr eine Menge dieser Plagegeister, nicht nur für sich selbst.

Paarungzeit im Garten

Im Sommer ist bei den Igeln Paarungs- und Familienzeit. Dann bringt das Igelweibchen seine Jungen zur Welt, meistens vier bis fünf kleine Igelkinder. Im Anschluss braucht die Igelmutter besonders viele Schnecken und Spinnen auf ihrem Speiseteller, denn die Kleinen bekommen eineinhalb Monate lang nur Muttermilch zu trinken.

Sind die Igelkinder groß genug, um sich ihre eigene Nahrung zu suchen, beginnt für die Igelin ein neuer Abschnitt der intensiven Nahrungssuche, denn nun muss sie sich auf den Winterschlaf vorbereiten, und das bedeutet: Fett anfressen. Der Winterschlaf der Igel beginnt mit dem ersten Frost und endet, wenn die Sonne im Frühjahr wieder wärmt, was in kühleren Jahren erst im Mai sein kann. Bis zu 30 % seines Körpergewichts verliert der Igel während des Winterschlafs, das bedeutet, dass er im Herbst gut fressen muss, um dies zu überleben.

Genug Schutz und Lebensraum

Tipp 1: Für genug Wasser und Nahrung sorgen

Damit ein Igel in den Garten einzieht, braucht er zunächst Nahrung und Trinkmöglichkeiten. Ein gut zugänglicher Gartenteich oder kleine Wasserschälchen mit frischem, sauberem Wasser sind gute Voraussetzungen. Damit der Igel genug zu fressen findet, muss es im Garten Insekten geben. Diese wiederum benötigen besonders eine Vielfalt an Blumen. Das beginnt im Frühjahr mit den Frühblühern: Schneeglöckchen, Krokusse, Glockenblumen und Tulpen bieten die erste Nahrung für Bienen und Käfer.

Im weiteren Verlauf des Frühlings und Sommers sind es besonders unsere einheimischen Blumen, die sie brauchen: Schafgarbe, Kornblume, Klatschmohn, Fetthenne, Mädesüß, Kugeldistel und Königskerze, als Kletterpflanzen Efeu und Hopfen, wo sich besonders die Spinnen sehr wohl fühlen. Schnecken mögen die Verborgenheit, hier wäre eine „wilde Ecke“ empfehlenswert, die nicht gemäht wird und wo Unkräuter wie die Brennnessel oder der Klee wachsen dürfen, vielleicht auch ein Haufen alter Äste und Zweige liegen können. Dort verkriechen sich nicht nur viele Krabbeltiere, sondern der Igel selbst auch. Unter den Zweigen kann er sich am Tag verstecken.

Tipp 2: Igelverstecke anlegen

Ein einziger solcher Rückzugsort genügt dem Igel meist nicht, selbst während des Winterschlafs wechselt er in kurzen Wachphasen manchmal das Versteck. Sträucher und kleine Bäume, am besten statt eines Maschendrahtzaunes (in dem der Igel sich verheddern kann) als Hecke gepflanzt, geben dem Igel die Möglichkeit, sein Versteck auszuwählen – und bieten auch den Insekten Lebensraum.

Auch hierbei sollte auf einheimische Gehölze geachtet werden: Holunder, Schlehe, Flieder, und besonders auch wilde Rosen und Brombeeren bieten dem Igel Schutz vor anderen wilden Tieren, dem Fuchs oder dem Marder. Wer erst Hecken pflanzen und warten muss, bis diese groß genug sind, kann auch durch selbst gebaute Igelverstecke aushelfen: Ein großer, locker mit Stroh gefüllter Blumentopf, der auf die Seite gelegt wird, ist für unseren stacheligen Freund ebenso kuschlig wie ein liegengelassener Laub- oder Grashaufen in einer Ecke des Gartens.

Tipp 3: Igelschutz

Neben dem Verzicht auf Chemie im Garten gibt es einige andere Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz des Igels, die aber schnell umzusetzen sind: In Stachel- oder Maschendrahtzäunen sowie Vogelnetzen kann ein Igel sich verfangen und verletzen, sie sollten im igelfreundlichen Garten vermieden werden.

Vor dem Rasenmähen sollten Hecken und Büsche abgesucht werden, ob nicht in einer schattigen Ecke ein Igel schläft oder gar ein Igelnest mit Jungen verborgen liegt. Und wer in der Dämmerung noch einmal schnell mit dem Auto etwas erledigen muss, sollte vorher nachschauen, ob nicht ein Igel zwischen den Reifen gerade auf Nacktschneckenjagd ist.