Dachformen – Grabendach

Wer beschließt nach Salzach oder Inn zu fahren und durch die Altstadt zu wandern, wird nach einiger Zeit mehrere etwas seltsam gebaute Häuser entdecken. Nach einigem genaueren Hinsehen wird der Besucher bemerken, dass das Dach wie ein Faltwerk in das dortige Bürgerhaus eingebaut ist. Er hat das Grabendach entdeckt.

Bürgerliche Anfänge

Die Geschichte dieser besonderen Dachform beginnt im 16.Jahrhundert in den beiden Städten Inn und Salzach. Was im Übrigen auch zu seinem weiteren Namen führt: der Inn-Salzach-Stil. Zur damaligen Zeit blühte dort das Bürgertum auf. Um seine Macht und Reichtum zu zeigen, baute es vermehrt große Gebäude.

Da ein Satteldach jedoch zu viel Platz eingenommen hätte, beschlossen sie auf eine neue Dachform auszuweichen: Das Grabendach.

Da das Flachdach noch nicht erfunden war, war diese Bauweise für das platzsparende Überdachen der großen Flächen bestens geeignet. Um es nicht zu auffällig wirken zu lassen, verdeckte ein Blendgiebel die besondere Dachform von außen. Dabei konnte es sowohl einfach gehalten werden als bloße gerade Kante oder mit verschiedenen Stilelementen verziert werden.

Später breitete sich das Grabendach in ganz Süddeutschland aus und wird bis heute bei Lager- und Fabrikhallen verwendet, da es Tragwerke in Leichtbauweise ermöglicht.

Was macht das Dach aus?

Das Dach ist eigentlich eine Anreihung von mehreren Schmetterlingsdächern. Ein Schmetterlingsdach ist hierbei ein umgekehrtes Satteldach oder die Verbindung von zwei Pultdächern. Diese treffen sich an ihrer Traufe zusammen. Deren jeweiliger First ist außen höher gelegen, an Stelle der klassischen Traufe.

Dadurch entsteht am tiefsten Punkt eine Mittelachse, der Graben. In ihm sammelt sich das Regenwasser. Hierbei entsteht das Problem der Wasserableitung, das durch eine gemeinsame Regenrinne gelöst wird, die direkt im Graben verlegt wird. Danach kann das Wasser an beiden Seiten über eine Fallrinne nach draußen abfließen. Allerdings kann es passieren, dass die Rinne durch übermäßigen Regen überlastet wird. Aus diesem Grund muss für eine Notentwässerung rechts und links von der eigentlichen Rinne gesorgt werden.

Das Grabendach selbst ist somit eine Weiterführung des Schmetterlingsdaches. Mehrere Schmetterlingsdächer werden symmetrisch an ihren Firsten, in beliebiger Anzahl, miteinander verbunden. Zudem verdeckt klassischerweise ein Blendgiebel die Form von außen.

Die Entwässerung geschieht durch Durchbrüche des Regenrohres in der Giebelwand. Diese befinden sich in den Gräben und führen direkt zu den Fallrohren.

Was beachtet werden muss

Da die Entwässerung eine so wichtige Rolle bei dieser Bauweise spielt, müssen entsprechend besonders hochwertige Materialien verwendet werden. Zinkblech ist dabei beispielhaft für qualitatives und nachhaltiges Material. Dies verhilft dem Dach zu einer längeren Lebensdauer und höheren Widerstandskraft gegenüber verschiedenen Umwelteinflüssen.

Zudem ist das Dach, z.B. im Falle einer Reparatur oder eines Schneefalls, schwer zugänglich.

Die Vorzüge

Der erste Vorteil dieses Daches gegenüber anderen ist seine platzsparende Überdachung großer Flächen, die nur noch vom Flachdach übertroffen wird.

Der zweite Vorteil besteht in seiner Konstruktion. Dabei überspannen die First- und Fußpfetten den Innenraum. Hierbei können sie frei auf beiden Außenwänden aufliegen oder zusätzlich mit der Kehle noch auf Innenwänden. Das gesamte Gewicht des Daches wird dann über die Mittelachsen, den Gräben, auf die Wände oder zusätzliche Stützen, gleichmäßig verteilt.

Der dritte Vorteil besteht in der sehr guten thermischen Entlüftung von Hitze. Das bedeutet, dass die Hitze sich nicht unter dem Dach stauen und somit nicht zu einer Überhitzung des Raumes führen kann. Denn sind die Dachflächen nach oben geneigt, kann die Hitze schneller nach oben aufsteigen und nach außen entweichen.

Der vierte Vorteil ist durch seine Kosten bedingt, da es die billigere Leichtbauweise der Tragwerke ermöglicht, im Gegensatz zu massiven Betonkonstruktionen. Hierbei wird oft auf Blendgiebel verzichtet.