Dachformen – Glockendach

Ein Glockendach besteht in der Regel aus tragenden Einzelgliedern wie Stäben, Balken oder aus Stabwerken sowie Dachplatten und den Dachziegeln. Alternativ verwendet werden können Dachziegeln auch Dachschiefer und Schindel sowie Blei- oder Kupferblech. Die Turmbekrönung besteht dabei aus mehreren übereinander liegenden konkav und konvex gewölbten Teilen und Zwischenstücken, die eine Glockenform haben.

Geschichte

Das Glockendach findet man vornehmlich in Südwesteuropa, also in Italien, Spanien und in Frankreich, aber auch in Nordwesten von Europa, also in Skandinavien, in Irland und in Großbritannien sowie in Osteuropa, vor allem auf dem Baltikum, in Polen und in Tschechien.

In Deutschland und Österreich liegt die Verbreitung dieser Dachform vor allem im alpenländischen Raum. Es gibt aber auch vereinzelt Bauten in Hessen, Thüringen, in Böhmen und Schwaben.

Die Glockenform oder Haube wurde vor allem in der Renaissance, dem Barock und der Spätgotik verwendet, und das vor allem für die Bedachung von Kirchenbauten bzw. des Glockenturms. Und auch bei Rathaustürmen fand diese Dachform in diesen Epochen häufig Verwendung. Auch aus dieser Zeit stammende Park-Pavillons oder ihre Nachbauten tragen häufig ein Glockendach.

Ein Vorbild für diese Dachform könnten die Prunkhelme der Osmanen gewesen sein, wie sie nach der ersten Türkeninvasion 1529 auf Wien bekannt wurden. Vorbilder finden sich aber auch in der byzantinischen Architektur.

Bauweise

Ein Glockendach besitzt eine haubenförmige Dachform mit einem geschweiften Umriss. Diese Dachform kann verschiedene Haubenformen haben. Vornehmlich in der Renaissance und im Barock wurde die „Welsche Haube“ verwendet. Die Turmbekrönung besteht hier aus mehreren übereinander liegenden Hauben und aus laternenartigen Zwischenstücken. Bei vielen Bauten aus dieser Zeit wird die Welsche Haube zusätzlich von und einem Zwiebelhelm bekrönt, der die Spitze abschließt.

Vorteile

Das Glockendach kann viele Vorteile haben. Dank des oben konvexen und unten konkaven „Helms“, den ein Dach dank dieser Dachform aufgesetzt bekommt, entsteht auf dem „Dachboden“ ein sehr großer Raum, der ausgebaut und genutzt wird. Dies war in der Renaissance und auch im Barock sowie der Spätgotik der Hintergrund, warum diese Dachform häufig gewählt wurde, vor allem für die in diesen Epochen zahlreich errichteten Kirchenbauten und Schlösser.

Hauptentscheidungsgrund für diese Dachform war damals vornehmlich, dass im Glockenturm einer Kirche, wie man es schon vermuten kann, reichlich Platz vorhanden war für das Glockenspiel. Diese Konstruktionen waren damals noch sehr viel aufwändiger konzipiert, als das heute der Fall ist.

Die sich aus dieser Dachform ergebenden Raum im Dachstuhl war nicht nur für den Einbau von einer Glocke von Vorteil, sondern auch für ihren Betrieb.

Das Glockendach bietet zudem auch aus einem anderen Grund einen sehr großen Vorteil, der früher noch nicht eine so große Rolle spielte: Diese Dachform bietet vor allem eine sehr große Höhe zum Stehen. Früher war dies noch nicht nötig, da die Menschen eh kleiner waren als inzwischen.

Soll das Dach nämlich ausgebaut werden, ist es möglich, dass auch ein größerer Mensch in diesem sich ergebenden Raum gut stehen kann.

Form

Das Glockendach verfügt über eine quadratische Basis. Die Dachflächen verlaufen dabei im unteren Bereich so, dass sie nach außen hin leicht gewölbt abstehen. Später gehen die Dachflächen in eine nach innen gewölbte Form über. Den Abschluss bildet eine Spitze. Diese Spitze ist kurz gehalten. Auf diese Weise entsteht der oben konvexe und unten konkave Helm.

In seiner einfachsten Form verfügt das Glockendach über eine Dachhaube mit einer aus konstruktiver Hinsicht Mittelform zwischen einer Kuppel und einem Pyramidendach. Die häufig in vergangenen Epochen verwendete Welsche Haube ist eine allerdings eine gebauchte Haube mit einer Laterne. Es gibt auch die Glockenhaube. Hier handelt es sich um eine geschwungene Haube ohne Laterne. Als Glockendach bezeichnet man zudem auch eine Spitze, die in Form einer Zwiebelhaube erscheint. Hier handelt es sich um eine gebauchte Haube ohne Laterne.